Ein Tag am Kanal... oder: Ein Unglück kommt selten allein
Ein Bericht von Ernst Weerts
Nach einem anstrengenden Arbeitstag komme ich gegen 18.oo Uhr am Kanal an. Diese Stelle will ich heute zum ersten Mal befischen. Ich habe Zeit bis morgen um 11.00 Uhr und das Gefühl alles gut vorbereitet zu haben. Unter den überhängenden Bäumen am gegenüberliegenden Ufer werde ich es probieren, bis dorthin sind es etwa 80 Meter. Gefüttert hatte ich diese Stelle vorab drei mal, mit Mais und Boilies.
Um ohne Fehlwürfe die Montagen an den Platz zu bringen wird sorgfältig jede einzelne der 3 Ruten mit dem Boot rübergefahren und abgelegt, 1 mit Mais, 2 mit Boilies.
Gegen 19.15 Uhr ist schließlich alles perfekt und der entspannende Teil kann beginnen: In der Sonne liegen, das Wasser beobachten, warten ob etwas passiert, die letzten Stunden des Tages genießen. Ich überlege mir noch eine vierte Rute fertig zu machen, denn ca. 25m rechts am eigenen Ufer vor dem ins Wasser wachsenden Schilf ist reichlich Aktivität.
...ja, ich hätte es eher sehen müssen!
...das rote Boot gab mir zu denken!
Um nicht mit meinen anderen Schnüren in Bedrängnis zu kommen, werde ich bei einem Biss über den Zaun steigen, der sich zwischen mir und den fünf Kühen auf der angrenzenden Weide befindet und den Fisch von dort aus drillen und landen. Das scheint mir ein guter Plan zu sein und ich hole die vierte Rute aus dem Auto.
Während ich die Rute montiere kommt eine der dümmlich aus der Wäsche schauenden Wiederkäuer langsam an den Zaun und schaut mir interessiert auf die Finger. „Ganz schön große Kuh.“ denke ich noch so bei mir, erst dann fallen mir nach und nach auch noch die ebenfalls auffallend großen Hörner und der nicht vorhandene Euter auf. Neben mir auf der Wiese, nur ungefähr 1½ Meter von meinem Schirm entfernt und nur durch einen einzelnen Draht – der zudem an alten verwitterten Pfählen befestigt ist – von mir getrennt weiden fünf ausgewachsene Bullen.
Auch wenn sie nicht anschließend durch heftiges Köpfe aneinander schlagen demonstriert hätten, wie gerne sie mit mir spielen würden, hätte ich meine vierte Rute wieder eingepackt. Im Dunkeln auf einer Bullenweide drillen – Nein Danke – so verrückt bin ich doch noch nicht (Allerdings grübele ich darüber nach, ob es so gut ist, dass mein Schlauchboot ausgerechnet knallrot ist...mmhhhh....).
Während ich die Rute montiere kommt eine der dümmlich aus der Wäsche schauenden Wiederkäuer langsam an den Zaun und schaut mir interessiert auf die Finger. „Ganz schön große Kuh.“ denke ich noch so bei mir, erst dann fallen mir nach und nach auch noch die ebenfalls auffallend großen Hörner und der nicht vorhandene Euter auf. Neben mir auf der Wiese, nur ungefähr 1½ Meter von meinem Schirm entfernt und nur durch einen einzelnen Draht – der zudem an alten verwitterten Pfählen befestigt ist – von mir getrennt weiden fünf ausgewachsene Bullen.
Auch wenn sie nicht anschließend durch heftiges Köpfe aneinander schlagen demonstriert hätten, wie gerne sie mit mir spielen würden, hätte ich meine vierte Rute wieder eingepackt. Im Dunkeln auf einer Bullenweide drillen – Nein Danke – so verrückt bin ich doch noch nicht (Allerdings grübele ich darüber nach, ob es so gut ist, dass mein Schlauchboot ausgerechnet knallrot ist...mmhhhh....).
Vorrübergehend nicht mehr ganz so entspannt (da ist ja noch der bedenklich dünne Draht.....) setze ich mich noch ein bisschen ans Wasser und lasse mir die letzten Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen.
Piep, Piep - Das Unglück nimmt seinen Lauf
Um kurz nach 22 Uhr habe ich gerade beschlossen, dass es langsam an der Zeit ist mich auf die Liege zurückziehen, als die mit Mais beköderte Rute in schneller Folge mehre kurze Pieper am Bissanzeiger auslöst – Anhieb – sitzt !
Die erste Hälfte der Strecke lässt der Fisch sich ohne große Gegenwehr herankurbeln, dann folgen einige kurze, vehemente Fluchten. Die ersten Wicklungen Schlagschnur befinden sich schon auf der Rolle, der Kescher ist im Wasser als plötzlich die Schnur erschlafft.
Ungläubiges Herankurbeln und dann ist es klar: Ausgeschlitzt. Kann vorkommen. Ist es zwar sehr lange nicht mehr, aber hin und wieder passiert das halt.
Die Rute wird wieder unter den Busch gefahren, eine Kelle Mais folgt dem Hakenköder und etwas verspätet lege ich mich doch noch auf die Liege. Beim Einschlafen das unvermeidliche Grübeln ob ich nicht doch etwas falsch gemacht habe. Zu hart gedrillt ? Sind 120g Blei doch zu schwer ?
Die erste Hälfte der Strecke lässt der Fisch sich ohne große Gegenwehr herankurbeln, dann folgen einige kurze, vehemente Fluchten. Die ersten Wicklungen Schlagschnur befinden sich schon auf der Rolle, der Kescher ist im Wasser als plötzlich die Schnur erschlafft.
Ungläubiges Herankurbeln und dann ist es klar: Ausgeschlitzt. Kann vorkommen. Ist es zwar sehr lange nicht mehr, aber hin und wieder passiert das halt.
Die Rute wird wieder unter den Busch gefahren, eine Kelle Mais folgt dem Hakenköder und etwas verspätet lege ich mich doch noch auf die Liege. Beim Einschlafen das unvermeidliche Grübeln ob ich nicht doch etwas falsch gemacht habe. Zu hart gedrillt ? Sind 120g Blei doch zu schwer ?
Am Ende schaffe ich es mir einzureden, dass das einfach nur ein dummer Zufall war und schlafe mit großen Erwartungen an die kommende Nacht ein. „Hoffentlich bin ich morgen bei der Arbeit nicht zu müde, wenn ich die ganze Nacht Fische fange.“ Schließlich hatte ich immer wieder von wahren Massenfängen aus diesem Kanal gehört – nur aus verlässlichen Quellen versteht sich.
Die Nacht war ruhig... zu ruhig!
Als ich aufwache ist es schon recht warm, laut Uhr ist es 6.30 Uhr. Das kann doch gar nicht sein, ich denke hier kommt man vor lauter Bissen gar nicht zum Schlafen, nimmt sogar irgendwann entnervt die Ruten aus dem Wasser. Habe ich was falsch gemacht ?
Etwas verwirrt döse ich wieder halb ein. PIEP ! Senkrecht sitze ich auf der Liege, Augen halb zu. PIIIIIIIIIEP – PIEP – PIEP. Diesmal ist es die mittlere Rute. Ich nehme Kontakt auf und der Fisch kommt sofort unter den Büschen an die Oberfläche. Jetzt etwas Druck machen, damit ich ihn dort wegbekomme, aber nicht zuviel, damit er nicht wieder ausschlitzt.
Nachdem man einen Fisch verloren hat, begleitet einen immer dieses ungute Gefühl dass es beim nächsten Mal wieder passieren könnte. Aber alles geht glatt.
Der Fisch flüchtet geschätzte 20 Meter nach rechts, die Bremse schnurrt – alles wie es sein soll. Der Fisch scheint größer zu sein. Jedenfalls verhält er sich so wie mir alle immer den Drill eines großen Karpfens beschrieben haben: Langsam und unbeirrbar zieht er am anderen Ende. Nun allerdings quer über den Kanal. Vom anderen Ufer, an strammer Leine, ohne dass ich auch nur im geringsten Einfluss darauf nehmen könnte kommt er rüber. Jetzt ist er nur noch einen Meter vom diesseitigen Ufer entfernt, allerdings eben gute 80 Meter rechts von mir.
Die Schnur geht quer am anfangs erwähnten im Wasser stehenden Schilf entlang. Da ich Angst habe, dass sich die Schnur unter Wasser im Schilf verfängt oder am Schilf entlang scheuert und reißt beschließe ich den Drill vom Boot aus zu beenden. Leine auf Spannung halten, Kescher ins Boot, Böschung hinunterklettern – jetzt kann es losgehen.
Ich kurbele mich an den Fisch heran, er steht fest auf einer Stelle. Gerade als ich am Schilf entlang gleite und wieder direkten Kontakt zum Fisch habe, setzt dieser sich in Bewegung. Er zieht auf mich zu, dann an mir vorbei und nun wieder zur Kanalmitte. Nach zwei Minuten kommt er hoch, scheint geschlagen und ich kann ihn das erste Mal sehen.
Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht, es ist ein großer Spiegler, größer als alle die ich bisher gefangen habe.
Nachdem man einen Fisch verloren hat, begleitet einen immer dieses ungute Gefühl dass es beim nächsten Mal wieder passieren könnte. Aber alles geht glatt.
Der Fisch flüchtet geschätzte 20 Meter nach rechts, die Bremse schnurrt – alles wie es sein soll. Der Fisch scheint größer zu sein. Jedenfalls verhält er sich so wie mir alle immer den Drill eines großen Karpfens beschrieben haben: Langsam und unbeirrbar zieht er am anderen Ende. Nun allerdings quer über den Kanal. Vom anderen Ufer, an strammer Leine, ohne dass ich auch nur im geringsten Einfluss darauf nehmen könnte kommt er rüber. Jetzt ist er nur noch einen Meter vom diesseitigen Ufer entfernt, allerdings eben gute 80 Meter rechts von mir.
Die Schnur geht quer am anfangs erwähnten im Wasser stehenden Schilf entlang. Da ich Angst habe, dass sich die Schnur unter Wasser im Schilf verfängt oder am Schilf entlang scheuert und reißt beschließe ich den Drill vom Boot aus zu beenden. Leine auf Spannung halten, Kescher ins Boot, Böschung hinunterklettern – jetzt kann es losgehen.
Ich kurbele mich an den Fisch heran, er steht fest auf einer Stelle. Gerade als ich am Schilf entlang gleite und wieder direkten Kontakt zum Fisch habe, setzt dieser sich in Bewegung. Er zieht auf mich zu, dann an mir vorbei und nun wieder zur Kanalmitte. Nach zwei Minuten kommt er hoch, scheint geschlagen und ich kann ihn das erste Mal sehen.
Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht, es ist ein großer Spiegler, größer als alle die ich bisher gefangen habe.
"Hoffentlich geht das gut..."
Der erste Kescherversuch schlägt fehl und er setzt noch einmal zur Flucht an, zieht parallel zum Ufer in Richtung meiner anderen Ruten – hoffentlich geht das gut.
Tut es natürlich nicht. Der Fisch sammelt eine der anderen Schnüre ein und es piept nun laut vom Ufer über das Wasser. Ich ziehe mich mit dem Boot heran, will gerade die Rute unter der anderen durch reichen um das nervende Gepiepe zu beenden, da wird die Schnur schlaff.
Ungläubig kurbele ich ein und kann es nicht fassen: Die Schnur ist gerissen. Ab. Einfach durch. Der große Fisch ist weg. Eine halbe Minute treibe ich mit der Rute in der Hand über den Kanal und fühle mich leer und betrogen, wünsche mir ich hätte den imposanten Fisch gar nicht zu Gesicht bekommen.
Irgendwann lege ich die Rute ins Boot und rudere langsam zurück. Die Rute wird neu montiert. Es ist mittlerweile 7.30 Uhr und ich habe noch ungefähr 4 Stunden Zeit bis ich einpacken und mich langsam wieder auf den Weg zur Arbeit machen muss, Zeit genug um noch einen Fisch zu fangen.
Mit der neu bestückten Rute im Boot bin ich gerade bis zur Mitte des Kanals gekommen als....PIEP ! PIEP ? Bin ich durch die Schnur gefahren ? Kann doch gar nicht, ich habe kurz vor den Rutenspitzen abgesenkt....PIIIEP ! 180 Grad Wendung, ich rudere wie ein Irrer zurück, komme am Ufer an und....nichts. Kein Piep mehr, beide Swinger hängen noch unter der Rute, die Schnüre gehen genau dort ins Wasser wo ich sie abgesenkt habe.
Nach ereignislosen zwei Minuten stoße ich mich vom Ufer ab und rudere zum anderen Ufer, noch 15 Meter bis zum ersten Busch....PIEEEP....PIEP...PIEP – Da ist er wohl wieder dran, nur bin ich jetzt viel zu weit weg um irgendetwas zu machen, also versenke ich ganz in Ruhe meine Montage, füttere ein paar Murmeln dazu und fahre dann wieder zurück.
Ungläubig kurbele ich ein und kann es nicht fassen: Die Schnur ist gerissen. Ab. Einfach durch. Der große Fisch ist weg. Eine halbe Minute treibe ich mit der Rute in der Hand über den Kanal und fühle mich leer und betrogen, wünsche mir ich hätte den imposanten Fisch gar nicht zu Gesicht bekommen.
Irgendwann lege ich die Rute ins Boot und rudere langsam zurück. Die Rute wird neu montiert. Es ist mittlerweile 7.30 Uhr und ich habe noch ungefähr 4 Stunden Zeit bis ich einpacken und mich langsam wieder auf den Weg zur Arbeit machen muss, Zeit genug um noch einen Fisch zu fangen.
Mit der neu bestückten Rute im Boot bin ich gerade bis zur Mitte des Kanals gekommen als....PIEP ! PIEP ? Bin ich durch die Schnur gefahren ? Kann doch gar nicht, ich habe kurz vor den Rutenspitzen abgesenkt....PIIIEP ! 180 Grad Wendung, ich rudere wie ein Irrer zurück, komme am Ufer an und....nichts. Kein Piep mehr, beide Swinger hängen noch unter der Rute, die Schnüre gehen genau dort ins Wasser wo ich sie abgesenkt habe.
Nach ereignislosen zwei Minuten stoße ich mich vom Ufer ab und rudere zum anderen Ufer, noch 15 Meter bis zum ersten Busch....PIEEEP....PIEP...PIEP – Da ist er wohl wieder dran, nur bin ich jetzt viel zu weit weg um irgendetwas zu machen, also versenke ich ganz in Ruhe meine Montage, füttere ein paar Murmeln dazu und fahre dann wieder zurück.
Es geht doch, oder?
Bei jedem dritten Ruderschlag höre ich ein einzelnes PIEP, er hängt immer noch, sehr schön. Am Ufer angekommen nehme ich sofort die Rute in die Hand und fange an zu kurbeln.
Es folgt ein kurzer Drill ohne Komplikationen und nach dem ersten Kescherversuch liegt ein Spiegler auf der Matte, den ich auf 16 Pfund schätze. Kein Riese, aber der erste gelandete Fisch an der neuen Stelle – davon will ich dann auch gleich mal ein Foto machen.
Die Matte wird zugeklappt damit der Fisch nicht hinunterspringen kann, ich drehe mich um um die Kamera von der Liege zu holen...Klatsch....PLAAATSCH ! Der Fisch schlägt, schafft es irgendwie aus der Matte zu rutschen und den halben Meter bis ins Wasser schafft er dann mit einem zweiten Mal Schlagen – das ganze dauert nicht mal 2 Sekunden.
Ich sehe ihn noch ganz kurz im Wasser stehen bevor er gemächlich Richtung Kanalmitte davonschwimmt. Ich versuche gar nicht erst mit Worten zu beschreiben wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe. Statt die Rute noch einmal rauszufahren beende ich meinen Ansitz 3 Stunden früher als geplant. Vorsichtshalber könnte man auch sagen – wer weiß was als nächstes passiert wäre. Aber ich werde wiederkommen. Übermorgen schon – und dann wird alles besser...
Tight Lines - Ernst
Es folgt ein kurzer Drill ohne Komplikationen und nach dem ersten Kescherversuch liegt ein Spiegler auf der Matte, den ich auf 16 Pfund schätze. Kein Riese, aber der erste gelandete Fisch an der neuen Stelle – davon will ich dann auch gleich mal ein Foto machen.
Die Matte wird zugeklappt damit der Fisch nicht hinunterspringen kann, ich drehe mich um um die Kamera von der Liege zu holen...Klatsch....PLAAATSCH ! Der Fisch schlägt, schafft es irgendwie aus der Matte zu rutschen und den halben Meter bis ins Wasser schafft er dann mit einem zweiten Mal Schlagen – das ganze dauert nicht mal 2 Sekunden.
Ich sehe ihn noch ganz kurz im Wasser stehen bevor er gemächlich Richtung Kanalmitte davonschwimmt. Ich versuche gar nicht erst mit Worten zu beschreiben wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe. Statt die Rute noch einmal rauszufahren beende ich meinen Ansitz 3 Stunden früher als geplant. Vorsichtshalber könnte man auch sagen – wer weiß was als nächstes passiert wäre. Aber ich werde wiederkommen. Übermorgen schon – und dann wird alles besser...
Tight Lines - Ernst