Fernauslöser selbstgebaut

Das laute Kreischen meines Delkims reißt mich aus dem Schlaf. Total verschlafen torkle ich wie ein Happy Hippo mit Verarbeitungsfehler an meine Rute und schlage an. Nachdem ich den Fisch von gegenüberliegenden Hindernissen fern halten konnte und ihn genüsslich im Freiwasser drille, gucke ich mit meinen Maulwurfaugen nach rechts in die aufgehende Sonne.
Da steh ich nun nach einer erfolgslosen Nacht mit krummer Rute neben meinem Rodpod und drille einen scheinbar guten Fisch im ersten rötlichen Licht des Tages. Was gibt es schöneres im Leben eines Karpfenanglers? Das Grinsen in meinem Gesicht wird noch größer nachdem ich den Fisch nach atemberaubenden Drill im Uferbereich landen kann und sehe, dass es sich scheinbar um einen sehr guten Fisch des Sees handelt.
Routiniert baue ich mein kleines Wiegecenter samt Fotostudio auf. Das Wiegen des Fisches bringt ein Gewicht von 16 Kilogramm vor. Geil! Schnell noch paar schöne Fotos mit dem Selbstauslöser machen, um die einzigartige Situation für die Ewigkeit festzuhalten.
Nach fünf Fotos die Ernüchterung: Meine Afro Frisur sowie die verschlafenen Augen sind auf jedem Bild zu sehen, der Spiegler hingegen liegt noch auf der Matte und man erkennt nur an meinem angestrengten, fast schon hysterisch wirkenden Blick, dass ich versuche ihn anzuheben. Die zehn Sekunden des Selbstauslöser sind einfach zu kurz, um große Fische vernünftig fotografieren zu können.
Es nützt nichts, der Fisch muss eingesackt werden. Handy angeschmissen und versucht jemanden für einen Fototermin zu engagieren.
70 Kilometer von zuhause entfernt ist das nicht gerade einfach.
Gott sei Dank konnte ich einen Kollegen erreichen, der nach der Arbeit vorbeikam und ein paar schöne Fotos machte.
So konnte es nicht weiter gehen
Als ich nach der Beendigung der Session wieder zu Hause ankam war für mich klar, dass ich einen Selbsttauslöser brauche den ich auch selber manuell auslösen kann.Ich sprach mit dem Friesenbaits-Fotoexperten Ernst welche Kameramodelle in Frage kommen würden. „Es gibt ein paar wenige Kameramodelle die für Karpfenangler geeignet sind, also schwenkbares Display und Funkauslöser zum „relativ“ kleinen Preis...“. Leider waren diese Modelle mit über 400 Euro einfach zu teuer für mich arme Kirchenmaus. Aber schwenkbares Display, damit man sich beim Fotografieren selber sehen kann wäre ein echter Luxus.
Hmmm. Grübel. Habe ja noch meinen kleinen DVBT Fernseher mit AV-Eingang! Ich durchwühlte meine Schubladen und wurde fündig. Mit einem Chinchadapter konnte ich den Mini Fernseher an meine Digitalkamera anschließen. Super, der Fernseher zeigt nun alles, was das Display der Kamera eigentlich anzeigen würde.
Nun brauche ich nur noch etwas, damit ich meine 08/15 Digitalkamera per Knopfdruck auslösen kann. Im Internet wurde ich schnell fündig. Sogenannte pneumatische Selbstauslöser - welche ursprünglich für ältere Spiegelreflexkameras gebaut wurden - scheinen für mein Vorhaben wie geschaffen zu sein.
Nun brauche ich nur noch etwas, damit ich meine 08/15 Digitalkamera per Knopfdruck auslösen kann. Im Internet wurde ich schnell fündig. Sogenannte pneumatische Selbstauslöser - welche ursprünglich für ältere Spiegelreflexkameras gebaut wurden - scheinen für mein Vorhaben wie geschaffen zu sein.
Sie bestehen aus einem langem Schlauch und einem kleinen Blasebalg. Wenn man den Blasebalg eindrückt kommt am anderen Ende der Schnur ein kleiner Metallstift aus seiner Halterung raus, welcher das Foto auslöst.
Diese pneumatischen Selbstauslöser gibt es mit unterschiedlichen Schlauchlängen im Internet für ca. 35-50 Euro. Ich habe mir einen bei Ebay mit 6 Meter Schlauch für insgesamt 9,50€ geschossen.
Nun musste ich das ganze noch auf meine Digitalkamera umbauen, da sie wie alle Digitalkameramodelle nicht über den entsprechenden Anschluss verfügt.
Diese pneumatischen Selbstauslöser gibt es mit unterschiedlichen Schlauchlängen im Internet für ca. 35-50 Euro. Ich habe mir einen bei Ebay mit 6 Meter Schlauch für insgesamt 9,50€ geschossen.
Nun musste ich das ganze noch auf meine Digitalkamera umbauen, da sie wie alle Digitalkameramodelle nicht über den entsprechenden Anschluss verfügt.
Ich benutze eine Fuji Kamera der FinPix Serie, welche um den Auslöserknopf ein Drehrad zur Einstellung der verschiedenen Funktionen besitzt. Ich brauchte also etwas rundes , um den Metallstift über dem Auslöserknopf zu positionieren. Ich ging im Haus auf Wanderschaft um etwas geeignetes zu finden.
Plastikdeckel und Komponentenkleber
Schnell wurde ich fündig, habe einfach den Deckel einer Deodose zweckentfremdet. Es eignen sich aber auch die Verschlüsse von Colaflaschen, da diese etwas dickwandiger sind.Ich nahm den Deckel und bohrte mit einem kleinen Bohrer ein kleines Loch, durch welches das Endstück des pneumatischen Auslöser (aus dem der Metallstift kommt) gerade eben durchpasste. Damit das Ganze auch richtig hält, habe ich es vorsichtig mit Komponentenkleber verklebt.
Ganz wichtig dabei ist, dass nichts von dem Kleber in das Loch des Metallstiftes kommt, da dieser dann für alle Ewigkeiten im Inneren fixiert wird und man den pneumatischen Auslöser wegschmeißen kann. Aber genug von den Horrorvorstellungen. Der Auslöser war also nun schön fest am Deckel fixiert und perfekt ausgerichtet.
Der erste Test - Es funktioniert!
Für einen ersten Funktionstest nahm ich den Deckel und hielt ihn über den Auslöseknopf meiner Kamera. Kurz auf den Blasebalg gedrückt - Klick! Super, es funktioniert. Mit etwas Gefühl in der Hand kann man auch erst Scharfstellen und dann das Foto machen.Jetzt brauchte ich nur noch etwas um den Deckel über den Auslöseknopf zu fixieren. Die wohl einfachste und günstigste Form hierfür ist ein Gummiband, welches ruhig etwas dicker ausfallen kann. Man legt es in seiner normalen runden Form über den Deckel und verdreht es so, dass es am Deckel aufliegt. Die beiden freien Enden kann man an der Kamera oder am Stativ befestigen.
Falls sich der Deckel beim Benutzen des Blasebalgs bewegt, kann man das Gummi noch weiter spannen, indem man z.B. einen Weinkorken zwischen das Gummi und das untere Ende der Kamera/Stativ klemmt.
Das war’s dann auch schon gewesen. Mit Hilfe des umgebauten pneumatischen Selbstauslöser ist man nun in der Lage, auch von großen Fischen perfekte Fotos in Eigenregie zu machen.
Das war’s dann auch schon gewesen. Mit Hilfe des umgebauten pneumatischen Selbstauslöser ist man nun in der Lage, auch von großen Fischen perfekte Fotos in Eigenregie zu machen.
Zum Schluss noch ein paar Tipps
Der kleine DVBT Bildschirm ist zum Fotografieren sicherlich hilfreich aber nicht zwingend notwenig. Ich baue ihn immer vorne rechts neben mir auf, damit ich sehen kann was alles auf dem Bild zu sehen ist.Sobald man den Blasebalg durchgedrückt hat, sieht man sofort das fertige Foto. Falls etwas nicht gefällt, z.B. der Bildausschnitt, kann man sich solange samt Fisch umpositionieren bis alles passt.
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass alles spiegelverkehrt vom Bildschirm wiedergegeben wird. Man braucht schon etwas Übung um sich schnell mit dem Fisch in die perfekte Position zu bringen. Dabei ist man fast ausschließlich auf den Bildschirm konzentriert.
Aus diesem Grund sollte die Abhakmatte auch nicht zu klein ausfallen. Falls man nämlich gerade auf den Bildschirm glotzt und der Fisch anfängt zu schlagen, kann er auch mal aus den Händen gleiten. Man sollte das stets im Hinterkopf haben und mit einem Auge immer auf den Fisch achten, um anhand hektischer Maulbewegungen ein mögliches Schlagen frühzeitig erkennen zu können, bzw. schneller auf unangekündigtes Schlagen reagieren zu können. Am Besten übt man vorher schon mal mit kleineren Fischen, bevor man sich an die Biggis wagt.
Den Blasebalg lege ich entweder direkt hinter die Abhakmatte oder neben meine Ferse. Im ersten Fall drücke ich den Blasebalg im geknietem Zustand ein, im zweiten Fall drücke ich ihn im gehockten Zustand mit der Fußspitze ein. Das hat den Vorteil, dass man weder den Blasebalg noch die Schnur auf dem Bild sehen kann.
Man kann den Blasebalg natürlich auch mit der Hand eindrücken, dann sieht man den Blasebalg samt Schnur aber auf dem Bild.
Als abschließenden Tipp kann ich noch geben, dass man sich mit Paketband ungefähr den Punkt markieren kann, indem der Bildausschnitt perfekt ist. Dafür klebt man etwas Paketband auf die Selbstauslöserschnur, z.B. in Höhe der Kamera. Beim zukünftigen Fotografieren, weiß man anhand der Markierung immer, wie viel Schnur man für den perfekten Bildausschnitt benötigt.
Die ganze Technik, samt Bildschirm, Auslöser, Stativ und Abhakmatte in der perfekten Position aufzubauen dauert aber seine Zeit. Aus diesem Grund solltet ihr das Fotomodel immer schön feucht halten.
Also, falls möglich, den Fisch im Kescher lassen oder ihn solange einsacken bis alles vorbereitet ist.
Ich hoffe ich konnte euch mit meinem Bericht etwas auf den Geschmack der Selbstfotografie bringen. Der Bericht soll keine genaue Bauanleitung sein, sicherlich lassen sich einige der Sachen auch anders bzw. besser realisieren. Hier ist Eure eigene Kreativität gefragt.
Falls ihr demnächst einen besonders großen Fang verbuchen könnt, seid ihr nun in der Lage auch den noch so größten Fisch selbständig zu fotografieren.
Denkt aber bitte auch an eure befreundete Karpfenangler. Ich kann von mir sagen, dass ich liebend gerne zu einem befreundeten Karpfenangler fahre, um ihn mit seinem Fang des Lebens zu fotografieren und diesen besonderen Moment mit ihm teilen zu dürfen. Der Selbstauslöser sollte in diesem Fall das allerletzte Mittel darstellen.
So und jetzt ab ans Wasser mit Euch, es gibt genug Fische da draußen die man in 10 Sekunden nicht fotografieren kann.
Tight Lines, Euer Fabian

