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Neue Wege

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(Alle Fotos können durch Anklicken vergrößert werden...)


Das hier wird jetzt kein Bericht à la "Ich kam, sah und siegte", sondern eher: Ich kam, sah den Scheiß, machte mir nen Kopf und hielt die Niederlage in Grenzen. Aber mal von Anfang an:

Wir fuhren mit 5 Mann an einen See im Landkreis Müritz. Dieser See war mir schon aus dem letzten Herbst bekannt und ich konnte im November 06 dort trotz widriger Wetterbedingungen (Schnee, Sturm, Temperatursturz von 15 Grad) einige sehr schöne Fisch an den Haken bekommen.
Der See ist ungefähr 90 Hektar groß, im südlichen Teil relativ flach mit Wassertiefen bis zu 5-6 Meter und im nördlichen Teil tiefer mit bis zu 17 Meter. Rund um den See verläuft der für Mecklenburg typische Schilfgürtel. Dieser war aber an mehreren Stellen ausreichend unterbrochen so das man genügend Angelstellen hatte.
Das ist in Mc Pomm meist das Hauptproblem: Wunderschöne Seen, aber kaum Angelstellen. Ohne Boot braucht man aus meiner Sicht gar nicht erst hinfahren.

Das Wetter war recht warm, Temperaturen im Laufe der Woche von 23-30 Grad - meist Sonnenschein, kaum Wind und Regen. Die Wassertemperatur war für die Jahreszeit mit 18 Grad schon sehr hoch was sich auch noch als fatal rausstellte. Mehr dazu später…

Als erstes haben wir bei dem lokalen Fischer die Angelkarten gekauft. Gleichzeitig händigte er uns einen Schlüssel für 2 große GFK Boote aus die wir während unseres Aufenthaltes nutzen durften. Bei Ankunft am See stellten wir aber fest, das wir auch Paddel benötigen würden, also noch mal zurück und die Paddel abgeholt….
Am See entschieden wir uns das wir in 3 Teams fischen wollten. 2 Mann am Südufer, 2 Mann am Nordufer und einer im westlichen Teil des Sees. Da der See nur rund 90 Hektar groß ist, hatten wir so das Gefühl, dass man die Fische auf diese Art am schnellsten finden müsste.
Aber unser Plan wurde schnell zu Nichte gemacht, da ein zorniger Anwohner die beiden am Südufer wegscheuchte. Er drohte mit der Polizei da das Ufer angeblich Privatbesitz sei, was aber der Fischer nicht bestätigte. Aber bevor man Ärger bekommt und nicht in Ruhe fischen kann, gibt der Klüger bekanntlich nach… Also packten die beiden alles wieder ein und machten sich auf den Weg in den südlichen Teil.

Mein Angelpartner und ich hatten uns schnell für einen flachen Bereich im Süden entschieden, da dieser wärmer und nährstoffreicher zu sein schien. Wir haben einen Angelplatz für 2 Mann gefunden und das Gewässer mit Hilfe von Echolot und Klopfblei erkundet. Der Boden war teilweise etwas schlammig, aber schon von Wasserpflanzen bewachsen, das erschien uns optimal. Jetzt wurden die Plätze gemarkert und anschließend gefüttert. Ruten ausgelegt, Zelte aufgebaut und den ersten Abend genossen.

Leider verlief die erste Nacht ohne Biss, die beiden darauf folgenden Nächte auch. Der Grund hierfür war schnell gefunden: Die Fische waren aufgrund der hohen Wassertemperaturen schon im nördlichen Teil des Sees im Schilf am laichen. Und es ist ja bekannt, dass die Fische, wenn Sie am laichen sind unheimlich schlecht beißen. Also machte ich mir Gedanken wie ich einem vorprogrammierten Blank noch entgehen kann?

Als erstes war es klar, dass ich die Stelle wechseln musste um vor dem Schilfgürtel zu angeln. Am Vortag hatte ich schon eine neue Stelle ausgesucht und etwas Futter eingebracht. Als nächstes wollte ich keinen großen Futterteppich anlegen sondern mehrere kleine sehr auffällige Plätze.
Also hieß es alles wieder abbauen und in den Norden des Sees schippern. Dort angekommen fanden wir 2 Plätze für jeweils einen Angler. Auch das war neu für mich, bislang saß ich in Mecklenburg immer zu zweit. Da es einfacher ist, die Ruten zu zweit abzulegen, grade wenn man auf Distanzen von circa 200 Metern fischt. Außerdem ist es im Drill recht hilfreich wenn einer das Boot steuert und der andere sich ganz auf den Fisch konzentrieren kann. Aber das Ganze klappt auch recht gut allein, wie ich in der nächsten Nacht feststellen konnte.
Man sollte dabei aber immer daran denken, dass man gerade in der Nacht auf dem Wasser sehr orientierungslos ist. Im Dunkeln weiß man beim bestens Willen nicht wo man hinfahren muß, wenn man wieder an den Angelplatz zurück will. Eine Möglichkeit das zu lösen, wäre sich eine Lampe oder ähnliches an den Angelplatz zu stellen, die man einschaltet sobald man ins Boot geht. Aber erstens vergisst man bei einem Run sehr schnell das Licht einzuschalten und zweitens möchte ich auch wissen wo mein Rod Pod steht, damit ich es nicht umfahre.
Auf einem der Bilder sieht man meine Lösung, ich habe ein automatisches Rod Pod Licht gebaut. Dieses schraubt man auf den Buzzer Bar mit auf. Es schaltet sich bei Dunkelheit automatisch an und wenn es hell wird wieder aus. Diesen kleinen Helfer möchte ich nie mehr missen.

Die nächste Neuerung für mich war, dass ich mir zum ersten Mal meine Angelplätze auch unter Wasser angeschaut habe. Habe mir hierfür vor kurzem einen ¾ Taucheranzug und Flossen sowie Taucherbrille zugelegt. Um es vorweg zu nehmen: Die Anschaffung hat sich wirklich gelohnt. Obwohl ich auch über ein richtig gutes Echolot verfüge, ist der Blick unter Wasser durch nichts zu ersetzten. Erstens konnte man im Kraut Fraßstellen der Fische ausmachen.
Ich wusste genau wie die Bodenbeschaffenheit an der Stelle ist, ich habe Muschelbänke gefunden und auf diesen auch Fische gefangen. Weiterhin konnte ich sehen, das das Futter vom Vortag bereits weg war, das heiß für mich also das die Fische in diesem Teil des Sees scheinbar noch fraßen. An einer Stelle lag ein versunkenes Boot, genau auf dieser Stelle hatte ich vor dem Blick ins Wasser vorgehabt meine Rute abzulegen. Da wären Hänger die logische Schlussfolgerung gewesen.

Nachdem ich mich für 3 Plätze entschieden habe, legte ich die Ruten aus. Ich entschloss mich, 2 Pop-Ups zu fischen und eine Rute mit Sinkern. Nach dem Ablegen der Ruten, ging es wieder unter Wasser, da ich sehen wollte wie die Montage lagen. Hier erlebte ich die nächste böse Überraschung: 2 von 3 Montagen hatten sich trotz vorsichtigem Ablegen vom Boot aus so ungünstig gelegt das sie aus meiner Sicht nicht mehr fangfähig gewesen wären.
Einmal hatte sich das Vorfach mit dem Leadcore verhakt und die andere Montage lag sehr ungünstig in einem Krautbüschel. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Nächte ich schon gefischt habe wo die Montagen recht ungünstig lagen und meine Chancen damit einen Fisch zu haken gen Null tendierten. Also nutze ich den Ausflug ins feucht Nass dazu, die Montage zu strecken, die Bleie zu verbuddeln und punktgenau zu füttern. (Ich habe Boilies in Verbindung mit Heilbutt Pellets gefüttert, sowie einen Grundfutter-Mix mit Hanf, Buchweizen, Tigernüssen, Mais und Kaffeeweißer. Dieses habe ich noch mit etwas flüssigen Flavour versetzt)
Außerdem fiel mir auf wie extrem wichtig ein Leadcore ist. Denn obwohl ich eine sinkende geflochtene Schnur gefischt habe ging die Schnur direkt nach dem Leadcore wieder nach oben. Ich denke das scheue Fische bei Kontakt mit der Schnur sofort das Fressen einstellen und flüchten. Deshalb werde ich in der nächsten Zeit immer mit 1,5-2 Metern Leadcore fischen und zusätzlich Flying Backleads nutzen.
Tja, und gleich in der ersten Nacht konnte ich einen Fisch haken. Also hatten sich meine Mühen gelohnt.

So beschloss ich meinen recht aufwändigen Weg weiter zu gehen. Also wieder alle Ruten nach dem Ausbringen einzeln abtauchen und füttern. Die nächsten beiden Nächte konnte ich wieder je einen Fisch fangen.

Meine Befürchtungen, dass es alleine im Boot schwierig wird einen Fisch zu keschern, erwiesen sich als unbegründet. Wichtig ist nur, dass man einen kurzen Kescherstock hat. Die normalen 1,80m Stöcke sind im Boot einfach zu unhandlich. Nun bleibt noch die Frage zu klären, ob sich ein so aufwändiges Fischen wirklich lohnt und den entscheidenden Vorteil bringt?

Ich denke schon! Die anderen vier die mit mir zum Fischen mitgefahren waren, hatten zusammen nur einen einzigen Fisch fangen können. Ich hatte 3 auf meiner Seite zu verbuchen. Das ist sicherlich nicht viel, aber für die Umstände war ich mehr als zufrieden. Also denke ich das mir dieser kleine Erfolg recht gibt. Man muß ab und an vielleicht etwas mehr Arbeit auf sich nehmen, aber wenn man am Ende fängt, hat sich diese gelohnt.
Allerdings waren alle gefangenen Fisch Milchner, die Rogner waren halt noch ganz mit laichen beschäftigt, aber Fische sind wie Menschen: Ein Mann braucht halt ab und an mal einen Snack…

Diese Art des Fischens werde ich in der nächsten Zeit auch mal in heimischen Gewässern ausprobieren. Ich denke es gibt ein paar Kiesseen, wo ein Blick unter Wasser nicht schaden kann. Nun freu ich mich schon wieder auf den nächsten Trip in den Osten.
Auf dem Rückweg nach Hause habe ich noch den ein oder anderen See gesehen, der rein optisch sehr einladend aussah. Mal schauen wann es wieder los geht - aber ich denke, wenn der Sommer noch ein wenig auf sich warten lässt, dauert es nicht mehr lange bis zum nächsten Trip. Spätestens im September ist der nächste Trip schon fest verbucht....

Clemens

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